Schweizer Aussenhandel stagniert im 1. Halbjahr 2012

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1. Halbjahr 2012: Aussenhandel erlahmt

Im Umfeld der sich eintrübenden Weltkonjunktur stagnierten in den ersten sechs Monaten 2012 sowohl die Exporte wie auch die Importe. Dabei ging der Aussenhandel mit der EU in beiden Verkehrsrichtungen merklich zurück. Die Handelsbilanz wies einen Überschuss von 11,6 Mrd. Fr. auf.

Exporte im 1. Halbjahr 2012 nach Branchen und Ländern

Chemisch-Pharmazeutische Industrie: + 3 %

7 der 10 Exportbranchen schrieben im 1. Halbjahr einen Absatzrückgang. Gleich um einen Fünftel reduzierten sich dabei die Lieferungen der Papier- und Grafischen Industrie. Im völligen Gegensatz dazu stehen die Ergebnisse der Uhrenindustrie; diese konnte 16 % mehr exportieren. Bereits in der Vorjahresperiode hatte die Uhrenindustrie ein phänomenales Plus von 19 % erzielt. Um mehr als 11 % verringerten sich die Exporte der Textilindustrie sowie jene der Maschinen- und Elektronikindustrie. Hier gingen die Lieferungen von Textilmaschinen um einen Drittel bzw. jene von Maschinen für die Papier- und Grafische Industrie um 15 % zurück. Nennenswert im Plus lag dafür der Versand von Kraftmaschinen. Die Ausfuhren der Metallindustrie sanken um 9 % (Eisen und Stahl: - 19 % bzw. Aluminium: - 14 %), dies teilweise auch preisbedingt. Die umsatzmässig 4. grösste Industrie, jene der Präzisionsinstrumente, wies einen Exportrückgang von 3 % auf.

Zu den Branchen mit einem Umsatzplus gehörten auch die Chemisch-Pharmazeutische Industrie sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Bei Ersteren basierte die Steigerung vor allem auf den Immunologischen Produkten (+ 11 %; + 979 Mio. Fr.) sowie den Roh- und Grundstoffen (+ 8 %). Dagegen sanken die Lieferungen von Farbkörpern und Pharmazeutischen Wirkstoffen um 9 bzw. 4 %. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie nahmen die grenzüberschreitenden Verkäufe von Käse, Getränken und Kaffee zwischen 3 und 4 % zu.

Gegenwind in China und Indien

Während der Absatz in Europa klar schwächelte (EU: - 3 %), erhöhten sich die Lieferungen nach den übrigen Kontinenten mehr oder weniger deutlich. Gleich um einen Zehntel wuchsen die Exporte nach Nord- (Kanada: + 12 %; USA: + 10 %, namentlich Pharmazeutika) und Lateinamerika (Mexiko: + 9 %). Die Ausfuhren nach Afrika und Ozeanien (Australien: + 4 %) nahmen um je 4 % zu. Und nach Asien gingen wertmässig rund 2 % mehr Güter. Hier standen allerdings den Mehrausfuhren nach Saudi-Arabien (+ 36 %), Hongkong (+ 24 %) und Singapur (+ 12 %) rückläufige Exporte nach China (- 14 %) und Indien (- 13 %) gegenüber.

In der EU fielen Irland (- 34 %), Griechenland (- 20 %), Spanien (- 10 %), Italien (- 9 %) sowie Frankreich, die Niederlande und Österreich mit einem Minus von rund je 6 % auf. Die Exporte nach Deutschland, dem wichtigsten Abnehmer, stagnierten. Dafür wuchsen die Ausfuhren ins Vereinigte Königreich (+ 5 %), nach Ungarn (+ 14 %) und Belgien (+ 18 %). Im übrigen Europa fielen die Türkei (- 21 %) und Norwegen (+ 36 %) auf.

Importe im 1. Halbjahr 2012 nach Waren und Ländern

Rückläufige Importgüterpreise

Die Importentwicklung zeigte sich zweigteilt. Während namentlich die Einfuhren von Rohstoffen und Halbfabrikaten um 8 % zurückgingen, stiegen die Bezüge von Energieträgern um 11 %, wobei das Plus zur Hälfte preisbedingt war.

Der Nachfragerückgang bei den Rohstoffen und Halbfabrikaten traf eine breite Produktpalette. Um einen Sechstel - und damit am kräftigsten - verringerten sich die Importe von Metallen (- 791 Mio. Fr.; teilweise preisbedingt) und Papier (- 170 Mio. Fr.). Die Einfuhren der grössten Subgruppe, der Chemikalien, sowie jene von elektrischen und elektronischen Artikeln gingen um je 7 % zurück. Positiv fielen die Uhrenteile auf, deren Bezüge um einen Fünftel stiegen.

Rückläufig waren auch die Importe von Investitionsgütern (- 3 %). Hier wies die Mehrheit der Subgruppen ein Minus auf. Auffallend deutlich sanken dabei die Einfuhren von Fabrikationsmaschinen (- 13 %). Um 5 % nahmen ferner die Zulieferungen von Krafterzeugungsmaschinen ab. Hingegen erhöhten sich die Importe in der Sparte Luftfahrzeuge um 17 %.

Die Importe von Konsumgütern erhöhten sich um insgesamt 3 %. Dabei stiegen die Zufuhren von Personenautos um eindrückliche 9 % (Stück: + 9 %). Wesentlich zum Plus trugen aber auch die Arzneiwaren bei, deren Importe um 6 % bzw. 763 Mio. Fr. zulegten. Derweil sanken die Einfuhren von Bekleidung und Schuhen um 2 %.

EU verliert deutlich Marktanteile in der Schweiz

Während die Importe aus Europa (EU: - 5 %) rückläufig waren und jene aus Ozeanien stagnierten, legten die Einfuhren aus den übrigen Kontinenten zu. Dabei expandierten die Bezüge aus Afrika gleich um 71 %, vor allem dank den massiven Mehrimporten aus Libyen (Erdöl). Um einen Sechstel erhöhten sich die Importe aus Asien (China: + 64 %) und Nordamerika (USA: + 15 %). Derweil stiegen die Einfuhren aus Lateinamerika um 3 % (Brasilien: + 3 %).

Innerhalb der EU drückten namentlich die rückläufigen Einfuhren aus den Niederlanden und Deutschland das Gesamtergebnis. Hingegen nahmen die Importe aus der Slowakei gleich um 79 % zu. Aber auch aus Spanien (+ 18 %), Irland (+ 7 %) und dem Vereinigten Königreich (+ 5 %) importierte die Schweiz mehr.

Konjunkturelle Entwicklung

Im 2. Quartal beliefen sich die Exporte auf 49,8 Mrd. Fr. Saisonbereinigt (Vorquartalsvergleich) wiesen die Exporte in beiden Quartalen 2012 nominal ein Minus auf. Damit setzte sich der seit dem 3. Quartal 2011 registrierte leichte Abwärtstrend fort. Die Preise der exportierten Güter stiegen im 1. Halbjahr 2012 gegenüber der Vorjahresperiode insgesamt um minimale 0,4 %. Ohne die Pharmasparte verteuerten sich diese allerdings um 2,0 % (real: - 2,1 %).

Die Importe betrugen im 2. Quartal 43,8 Mrd. Fr. Wie im 1. Quartal stagnierten saisonbereinigt die Importe auch im Berichtsquartal (nominal; Vorquartalsvergleich). Damit zeigt sich die Importentwicklung seit dem 3. Quartal 2010 tendenziell träge. Im ersten Halbjahr 2012 gingen die Preise der eingeführten Waren binnen Jahresfrist um 1,5 % zurück. Ohne die Pharmazeutika betrug der Preisabschlag lediglich 0,3 % (real: 0,0 %).

Juni 2012: zusätzlicher Arbeitstag belebt den Aussenhandel

Im Monat Juni legte der schweizerische Aussenhandel in beiden Verkehrsrichtungen zu. So wuchsen die Exporte um 7,6 % auf 16,9 Mrd. Fr. (real: + 1,8 %) und die Importe um 3,7 % auf 14,6 Mrd. Fr. (real: + 3,4 %). Allerdings zählte der diesjährige Juni einen Arbeitstag mehr. Bereinigt nahmen die Ausfuhren um 2,2 % zu (real: - 3,3 %) und die Einfuhren sanken um 1,6 bzw. 1,8 %. Die Exportgüter verteuerten sich um 5,7 %, während die Preise der importierten Waren fast unverändert blieben (+ 0,3 %). Unter Ausschluss der Pharmadivision erhöhten sich die Exportgüterpreise um 4,0 % und jene der Importgüter um 3,0 %. Die Handelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 2,2 Mrd. Fr.

(EZV, 19.07.2012)