Aussenhandel im November 2011 angeschlagen

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November 2011: Aussenhandel angeschlagen

Im November 2011 stiegen die Exporte leicht, während die Importe deutlich sanken. Ausfuhrseitig erzielten allerdings nur 4 Branchen ein Plus. Weiterhin sichtbar rückläufig waren die Güterpreise, und zwar in beiden Verkehrsrichtungen. Aufgrund der gegensätzlichen Entwicklung zwischen den Exporten und den Importen resultierte in der Handelsbilanz ein massiver Überschuss von 3,0 Mrd. Franken.

Die Exporte nahmen im November knapp um 1 % auf 17,8 Mrd. Fr. zu; real betrug der Anstieg immerhin 3,8 %. Damit bestätigte sich die in den letzten Monaten erkennbare abflachende Wachstumstendenz. Zum sechsten Mal im laufenden Jahr resultierte saisonbereinigt (Vormonatsvergleich) ein Minus. Die Exportgüterpreise sanken um 2,8 %; ohne die Pharmasparte zeigte sich ein minimaler Preisabschlag von 0,4 % (real: + 1,3 %).

Die Importe gingen um 6,7 % auf 14,8 Mrd. Fr. zurück (real: - 3,4 %), wobei das Ergebnis massgeblich von den kräftig gesunkenen Einfuhren im Chemiebereich geprägt war. Anders als in den Monaten davor rutschten die Importe klar in die Minuszone. Auch saisonbereinigt (Vormonatsvergleich) fiel die Abnahme markant aus. Die Preise der Importgüter reduzierten sich um 3,5 %. Unter Ausschluss der Pharmasparte betrug der Preisrückgang 1,6 % (real: - 5,2 %).

Der Überschuss in der Handelsbilanz stellt mit 3,0 Mrd. Fr. den zweithöchsten je gemessenen Aktivsaldo im Monat dar.

Von Januar bis November 2011 nahmen die Ausfuhren um 2,3 % auf 181,9 Mrd. Fr. zu, während die Einfuhren stagnierten (160,1 Mrd. Fr.). Seit Ende des 1. Quartals 2011 tendieren Exporte und Importe zur Wachstumsschwäche. Exportseitig hielten sich 4 der 10 wichtigsten Branchen im Plus, überdeutlich dabei die Uhrenindustrie. Die grösste Nachfrage nach helvetischen Produkten kam aus Asien, wogegen der Absatz in Europa stagnierte. Die Preise der exportierten Güter verringerten sich um hohe 6,8 %, derweil jene der Importwaren um 2,4 % sanken. Ohne die Pharmasparte betrug der Preisabschlag auf Seite der Exporte 3,7 % (+ 6,2 %) und importseitig 2,2 % (+ 2,6 %). Der Aktivsaldo in der Handelsbilanz wies nach 11 Monaten einen neuen Rekordwert auf, der den Überschuss des gesamten Jahres 2010 um 2,3 Mrd. Fr. übertraf.

Exporte im November 2011 nach Branchen und Ländern

Maschinen- und Elektronikindustrie: vierter Monat in Folge im Minus

4 der 10 wichtigsten Exportbranchen erzielten im November ein Absatzplus. Insgesamt wies die Entwicklung aber eine grosse Spannweite auf, zumal diese von + 16 % (Uhrenindustrie) hin zu - 17 % (Papier- und Grafische Industrie) reichte.

Die Uhrenindustrie glänzte erneut mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Mit grossem Abstand folgt die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Diese erzielte im Bereich Kaffee und Schokolade eine Steigerung um 18 bzw. 15 %, während der Versand in den übrigen Sparten sichtbar zurückging. Bei der Chemischen Industrie rührte das Absatzplus von der Pharmadivision her; hier legten die Verkäufe von pharmazeutischen Wirkstoffen um 10 % zu und jene von immunologischen Produkten um 6 %. Die Ausfuhren von Präzisionsinstrumenten nahmen leicht zu.

Dagegen sanken die Lieferungen der Bekleidungsindustrie, der Metallindustrie (preisbedingt) sowie der Kunststoffindustrie zwischen 2 und 6 %. Die zweitgrösste Exportbranche, die Maschinen- und Elektronikindustrie, unterschritt das Vorjahresniveau sogar um 10 % - dies stellt bereits den vierten Umsatzrückgang in Folge dar. Mit Ausnahme der Metallbearbeitungsmaschinen notierten hier alle Subgruppen eine Abnahme. Besonders kräftig fiel das Minus bei den Kraftmaschinen aus (- 32 %). Die Verkäufe der Textilindustrie reduzierten sich innert Jahresfrist um 14 %.

Gegenläufige Entwicklung im asiatischen Raum

Das Plus der Gesamtexporte rührte u.a. von den Mehrlieferungen nach Nordamerika und Asien (je + 2 %) her. Dagegen stagnierte der Absatz in der EU, während die Ausfuhren nach Lateinamerika und Ozeanien um je 7 % zurückgingen. Auffallend unterschiedlich war die Entwicklung zwischen den einzelnen Ländern. So stiegen die Ausfuhren nach Belgien gleich um einen Drittel und jene nach Kanada, Norwegen, Russland und Taiwan zwischen 27 und 29 %. Der Versand in die Vereinigten Arabischen Emirate nahm um einen Fünftel zu. Die Exporte nach Hongkong, ins Vereinigte Königreich, nach Südkorea und Singapur wuchsen um 11 bis 16 %. Nach Italien wurde 3 % mehr ausgeführt.

Demgegenüber sanken die Exporte in die USA, in die Niederlande, nach Australien, China und Frankreich zwischen 2 und 8 %. Die Ausfuhren nach Japan und Spanien gingen um 10 bzw. 14 % zurück. Gleich um 30 % reduzierten sich die Lieferungen nach Mexiko.

Importe im November 2011 nach Waren und Ländern

Arzneiwaren: - 553 Mio. Fr.

Abgesehen von den Energieträgern sanken die Einfuhren in allen Hauptgruppen. Das Plus bei den Energieträgern erklärt sich allerdings nur durch gestiegene Preise. Dagegen gingen die Importpreise in den übrigen Gruppen merklich zurück, vor allem jene der Konsumgüter.

Bei den Konsumgütern knickten die Arzneiwarenimporte gleich um 23 % ein (- 553 Mio. Fr.). Ein kräftiges Minus von 18 % wies auch der Bereich Bijouterie- und Juwelierwaren aus. In der Sparte Unterhaltungselektronik verringerten sich die Importe um 11 %. Derweil erhöhten sich die Einfuhren von Personenautos um 10 % (Stück: + 9 %).

Auch im Bereich der Rohstoffe und Halbfabrikate prägten die Negativzeichen klar das Bild. So gingen die Bezüge von Papier um einen Fünftel zurück und jene von Metallen um 15 %. In der grössten Subgruppe (Chemikalien) sank die Nachfrage um 6 %. Hingegen stiegen die Importe von Uhrenteilen um 12 %.

Im Investitionsgüterbereich scherten namentlich die Strassenfahrzeuge (+ 9 %), Krafterzeugungsmaschinen (+ 7 %) und Baubedarfswaren (+ 3 %) aus. Die gewichtige Maschinensparte verzeichnete hingegen in fast allen Untergruppen einen Nachfragerückgang. Das Segment Luftfahrzeuge (- 40 %; - 55 Mio. Fr.) wies ebenfalls weniger Einfuhren aus.

Erdöllieferanten wechseln sich ab

Mit Ausnahme Ozeaniens (+ 65 %) gingen die Importe aus allen Kontinenten zurück. Am deutlichsten sanken die Einfuhren aus Afrika (- 23 %), am wenigsten jene aus Lateinamerika (- 1 %). Die Bezüge aus der EU, dem grössten Beschaffungsmarkt, nahmen um 7 % ab.

Um über 70 % sackten die Importe aus Kanada (Chemikalien) ab, jene aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Irland (Chemikalien) brachen um 61 bzw. 49 % ein. Ferner importierte die Schweiz ein Fünftel weniger Güter aus dem Vereinigten Königreich sowie den Niederlanden. Die Einfuhren aus Japan sanken um 13 %, während jene aus Belgien und Italien um 9 bzw. 7 % zurückgingen.

Dagegen erhöhten sich die Importe aus den USA um 9 % und jene aus Polen um 17 %. Aus Aserbaidschan wurde ein Drittel mehr eingeführt und aus der Slowakei drei Viertel mehr. Während sich die Bezüge aus Kasachstan verdoppelten, stiegen jene aus Algerien um fast das Dreieinhalbfache.

(EZV, 20.12.2011)