Schweizer Ausserhandel im 1. Quartal 2012 mit wenig Bewegung

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1. Quartal 2012: kein Frühlingserwachen

In den ersten drei Monaten 2012 nahmen die Ausfuhren nur leicht zu, während die Einfuhren praktisch stagnierten. Der Exportanstieg stützte sich allerdings auf nur 3 Branchen und der Mehrumsatz wurde im aussereuropäischen Raum erzielt. Die Handelsbilanz wies dabei einen Überschuss von 5,9 Mrd. Fr. auf.

Exporte im 1. Quartal 2012 nach Branchen und Ländern

Uhrenindustrie: 9 Quartale hintereinander mit zweistelligem Wachstum

Nur 3 der 10 wichtigsten Exportbranchen schrieben in den ersten drei Monaten 2012 ein Plus. Die Uhrenindustrie weitete ihre Verkäufe um kometenhafte 17 % aus, dies nachdem sie bereits vor Jahresfrist eine Steigerung um 15 % erzielt hatte. Das andere Ende der Skala belegte derweil die Papier- und Grafischen Industrie, die innert Jahresfrist 18 % ihres Auslandumsatzes verlor.

Die Chemisch-Pharmazeutische Industrie exportierte vor allem dank gestiegener Verkäufe von Medikamenten und immunologischen Produkten insgesamt 3 % mehr. Dagegen sanken namentlich die Ausfuhren von Farbkörpern und pharmazeutischen Wirkstoffen. Die Exporte der Nahrungs- und Genussmittelindustrie nahmen insgesamt leicht zu. Während die Nachfrage nach Kaffee um 7 % und jene nach Käse um 5 % zulegten, schmolzen die Ausfuhren von Schokolade um 9 %.

Demgegenüber büssten die Exporte der Bekleidungs- und der Metallindustrie (Eisen und Stahl: - 16 %) sowie der Kunststoffindustrie je rund 6 % ein. Gleich um 11 % tiefer kam der Auslandumsatz der zweitgrössten Exportbranche, der Maschinen- und Elektronik-industrie zu liegen. Damit schrieb die Branche im dritten Quartal in Folge ein Minus. Mit wenigen Ausnahmen - wie etwa die Kraftmaschinen - wiesen alle Sparten einen Rückgang aus. Massiv war dieser beispielsweise bei den Textilmaschinen (- 35 %) und den Maschinen für die Papier- und Grafische Industrie (- 15 %).

Eurozone = „Minuszone“

Die Exporterhöhung rührte von ausserhalb Europas her. Dynamisch wuchsen dabei die Ausfuhren nach Lateinamerika (+ 17 %; Mexiko: + 22 %; Brasilien: + 12 %) und Nordamerika (USA: + 14 %, namentlich Chemikalien und Pharmazeutika; Kanada: + 9 %). Aber auch die Verkäufe nach Ozeanien (Australien + 17 %) legten kräftig zu, während jene nach Asien um 3 % zunahmen. Bei Letztgenannter standen den massiv gestiegenen Ausfuhren nach Katar (+ 60 %), Saudi-Arabien (+ 43 %) und Hongkong (+ 31 %) deutlich rückläufige Verkäufe nach Indien (- 9 %), China (- 10 %; Maschinen, Apparate und Elektronik: - 50 %) und Taiwan (- 15 %) gegenüber.

Auf dem Hauptmarkt, Europa (EU: - 3 %), verringerte sich der Absatz merklich. Während die Exporte in die Türkei und nach Griechenland um je einen Fünftel einbrachen, sanken jene nach Spanien, Italien und Österreich zwischen 11 und 13 %. Um 8 % verminderten sich zudem die Ausfuhren nach Frankreich. Dagegen nahmen die Lieferungen nach Deutschland leicht zu (+ 1 %). Kräftig weiteten sich dafür die Exporte ins Vereinigte Königreich (+ 15 %), nach Belgien (+ 23 %) sowie Ungarn (+ 45 %) aus, dies namentlich bedingt durch massiv gestiegene Ausfuhren von Chemikalien und Pharmazeutika. Der Versand nach Afrika sank insgesamt um 5 %.

Importe im 1. Quartal 2012 nach Waren und Ländern

Energieträger verteuern sich um 9 %

Die Entwicklung nach den Hauptgruppen verlief sehr gegensätzlich, reichte doch die Spannweite von - 9 % (Rohstoffe und Halbfabrikate) hin zu + 17 % (Energieträger). Mit Ausnahme der Energieträger verzeichneten alle übrigen Hauptgruppen rückläufige Preise.

Um insgesamt 3 % erhöhten sich die Importe von Konsumgütern. Hier verbuchten gleich mehrere Bereiche eine gestiegene Nachfrage, so die Bijouterie- und Juwelierwaren (+ 9 %), Personenautos (+ 8 %; Stück: + 9 %) sowie Arzneiwaren (+ 4 % bzw. + 276 Mio. Fr.). Rückläufig waren dagegen namentlich die Importe von Unterhaltungselektronik (- 6 %).

Im Investitionsgüterbereich prägten die Negativzeichen das Bild. Gleich um einen Achtel reduzierten sich die Bezüge von Fabrikationsmaschinen. Stärker als der Gruppendurchschnitt sanken zudem die Importe von Krafterzeugungsmaschinen sowie jene von Informatik und Büromaschinen (je - 6 %).

Bei den Rohstoffen und Halbfabrikaten wiesen fast alle Subgruppen ein Minus auf. Besonders deutlich war dieses in den Sparten Papier (- 18 %) und Metallen (- 16 %; - 405 Mio. Fr.; teilweise preisbedingt). Ferner verringerten sich die Importe von Chemikalien, der grössten Gruppe, um einen Zehntel bzw. 259 Mio. Fr. Die Bezüge von elektrischen und elektronischen Artikeln sanken um 10 %. Dagegen erhöhten sich die Importe von Uhrenteilen um kräftige 20 %.

Libysches Rohöl wieder gefragt

Mit Ausnahme Europas (- 5 %) legten die Importe aus sämtlichen Kontinenten zu. Gleich um 61 % expandierten die Bezüge aus Afrika (Libyen: + 122 %). Des Weiteren erhöhten sich die Einfuhren aus Nordamerika (USA: + 17 %) und Asien um je fast 17 %. Die Importe aus Lateinamerika wuchsen um insgesamt 11 %.

In Europa (EU: - 5 %) fielen die Niederlande mit - 22 % besonders auf (bedingt durch statistische Verzerrung - siehe Kasten oben). Deutlich rückläufig waren auch die Einfuhren aus Deutschland (- 8 %) und Italien (- 7 %). Einen Anstieg verzeichneten hingegen die Importe aus dem Vereinigten Königreich (+ 2 %), Irland (+ 5 %) und Spanien (+ 11 %).

Konjunkturelle Entwicklung

Im 1. Quartal 2012 beliefen sich die Exporte auf 50,4 Mrd. Fr. Saisonbereinigt (Vorquartal) gingen die Ausfuhren nominal um 1,6 % zurück (real: - 2,2 %), dies nach einem kräftigen Anstieg im 4. Quartal 2011. Insgesamt flachte sich die Exportentwicklung damit ab. Die Preise der ausgeführten Güter verteuerten sich binnen Jahresfrist um 1,3 %. Ohne die Pharmasparte betrug der Anstieg 2,1 % (real: - 1,1 %).

Die Importe erreichten 44,5 Mrd. Fr. Saisonbereinigt stagnierten diese nahezu gegenüber dem Vorquartal. Die seit dem 3. Quartal 2010 festgestellte flache Entwicklung setzte sich damit fort. Die Preise der Importwaren sanken um 1,6 %. Ohne die Pharmadivision betrug der Abschlag nur noch 0,7 % (real: + 0,1 %).

Aussenhandel im März 2012: Exporte harzen

Der Aussenhandel im Monat März war in beiden Verkehrsrichtungen rückläufig. So gingen die Exporte um 3,3 % auf 17,5 Mrd. Fr. (real: - 3,3 %) zurück und die Importe um 8,0 % auf 15,8 Mrd. Fr. Allerdings zählte der diesjährige März einen Arbeitstag weniger. Bereinigt nahmen die Ausfuhren minimal zu (+ 0,8 % bzw. 0,9 %) und die Einfuhren sanken um 4,1 bzw. 2,0 %. Die Preise der Exportgüter blieben unverändert, jene der importierten Waren reduzierten sich um 2,2 %. Unter Ausschluss der Preisentwicklung in der Pharmadivision verteuerten sich die Exportgüter minim (+ 0,2 %), während die Importgüterpreise um 1,1 % sanken. Die Handelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 1,7 Mrd. Fr.

(EZV, 24.04.2012)