Schweizer Aussenhandel entwickelte sich im August 2012 überraschend dynamisch

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August 2012: Exporte heben mit + 12 % ab

Im August entwickelte sich der Aussenhandel überraschend dynamisch - insbesondere exportseitig. Zum deutlichen Anstieg trug nebst den Präzisionsinstrumenten und der Uhrenindustrie vor allem die Chemisch-Pharmazeutische Industrie namhaft bei. Allerdings zogen auch die Exportgüterpreise markant an. Die Handelsbilanz wies derweil einen Überschuss von 1,7 Mrd. Fr. auf.

Exporte im August 2012 nach Branchen und Ländern

Chemisch-Pharmazeutische Industrie auf Platz 1

Mit Ausnahme der Papier- und Grafischen Industrie vermochten alle Branchen ihre Exporte zu steigern. Gleich drei von ihnen taten dies in zweistelliger Höhe - am deutlichsten die umsatzgrösste Branche, die Chemisch-Pharmazeutische Industrie. Allerdings war die Ausfuhrentwicklung generell von zum Teil spürbar gestiegenen Preisen beeinflusst. Innert Jahresfrist expandierten die Lieferungen der Chemisch-Pharmazeutischen Industrie um kräftige 19 %. Dabei legten die absatzstarken Sparten Medikamente und Immunologische Produkte je um einen Fünftel zu. Ferner weiteten sich die Verkäufe von Präzisionsinstrumenten (medizinische Instrumente: + 18 %) sowie jene der Uhrenindustrie je um 13 % aus.

Während die Ausfuhren der Textilindustrie um 5 % stiegen, nahmen jene der übrigen Branchen zwischen 2 und 3 % zu. Zu diesen gehörten u.a. die Maschinen- und Elektronikindustrie sowie die Metallindustrie (Metallwaren: + 6 %). Erstere wies bei den Kraftmaschinen ein Plus von 39 % sowie bei den elektrischen und elektronischen Artikeln ein solches von 23 % auf. Dagegen brachen die Verkäufe von Textilmaschinen um einen Drittel ein und jene von Maschinen für die Papier- und Grafische Industrie um 11 %. Bei der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wuchsen die Exporte von Kaffee und Getränken um + 13 bzw. 10 %, wogegen jene von Tabakfabrikaten um 30 % einbrachen.

Geografisch breit abgestütztes Wachstum

Im August exportierte die Schweiz nach allen Kontinenten deutlich mehr Güter. Am stärksten fiel das Plus in Afrika aus (+ 27 %), am „schwächsten“ in Europa (EU: + 9 %) und Ozeanien (+ 9 %; Australien: + 10 %). In der EU prägte Frankreich mit + 37 % bzw. + 338 Mio. Fr. das Bild (Bijouterie und Juwelierwaren sowie Pharmazeutika). Ferner stachen Finnland (+ 53 %), Rumänien (+ 48 %) sowie das Vereinigte Königreich und Spanien mit je + 29 % hervor. Rückläufig war hingegen der Absatz in Österreich (- 13 %) und Belgien (- 12 %).

Die Exporte nach Nordamerika wuchsen um einen Fünftel (USA: + 20 %; Kanada: + 17 %) und jene nach Lateinamerika um 14 % (Mexiko: + 23 %). In Asien expandierten die Ausfuhren nach Südkorea gleich um zwei Drittel, jene nach Singapur um 39 % sowie diejenigen nach Japan um einen Drittel (Pharmazeutika). Dagegen reduzierten sich die Lieferungen nach China um 7 % und jene nach Indien um 20 %.

Importe im August 2012 nach Waren und Ländern

Autoimporte erstmals seit 14 Monaten rückläufig

Mit Ausnahme der Energieträger (- 4 %; real: - 10 %) wiesen alle Hauptgruppen ein Nachfrageplus auf. Am deutlichsten legten dabei die Importe von Konsumgütern zu (+ 8 %).

Im Konsumgüterbereich prägten die Arzneiwaren das Ergebnis, nahmen doch die Importe gleich um einen Viertel bzw. um 524 Mio. Fr. zu. Während die Bezüge von Haushaltsgegenständen um 9 % und jene von Nahrungs- und Genussmittel um 8 % stiegen, sanken die Einfuhren von Personenautos um 90 Mio. Fr. (Stück: - 16 %). Die Importe von Bijouterie und Juwelierwaren verminderten sich um einen Zehntel.

Die Importe von Investitionsgütern wuchsen insgesamt um 5 %, die Zunahme war aber ausschliesslich preisbedingt (real: - 2 %). Die Hälfte des Wertanstiegs entfiel dabei auf die Krafterzeugungsmaschinen (+ 27 %). Während die Importe von Baubedarfswaren um einen Sechstel zunahmen, stagnieren namentlich jene von Maschinen und Geräten des Dienstleistungsgewerbes (Informatik und Büromaschinen: - 8 %).

Bei den Rohstoffen und Halbfabrikaten verlief die Entwicklung zwischen den bedeutendsten Subgruppen gegenläufig: So stiegen die Importe von elektrischen und elektronischen Artikeln um 13 %, jene von Kunststoffen um 8 % und diejenigen von Uhrenteilen um 4 %. Demgegenüber reduzierten sich die Bezüge von Chemikalien und Metallen um 4 bzw. 5 %.

Importe aus Japan sacken ab

Durchzogen präsentierte sich die Importentwicklung nach Kontinenten. So gingen die Einfuhren aus Ozeanien und Afrika (- 5 %) zurück; bei Letzterer wurde das hohe Minus bei Algerien (-126 Mio. Fr.) durch den kräftigen Anstieg bei Libyen (+ 120 Mio. Fr.) fast kompensiert. Die Bezüge aus Europa bzw. der EU stagnierten derweil.

Die Importe aus den übrigen Erdteilen stiegen zum Teil kräftig. So legten die Einfuhren aus Nordamerika (USA: + 32 %) um 29 % zu. Aus Asien importierte die Schweiz einen Viertel mehr Güter - vor allem aus China, Singapur und Indien wurde massiv mehr eingeführt. Dagegen halbierten sich die Bezüge aus Kasachstan innert Jahresfrist und jene aus Japan sanken um 12 %. Die Einfuhren aus Lateinamerika weiteten sich insgesamt um 18 % aus (Brasilien: + 16 %).

Konjunkturelle Entwicklung

Im August 2012 betrugen die Exporte 15,5 Mrd. Fr. Saisonbereinigt (Vormonatsvergleich) stiegen die Ausfuhren nominal um 2,3 % und real um 0,9 %, was nominal die 3. Zunahme binnen 4 Monaten darstellt. Damit zeigt der Trend aufwärts. Die Preise der exportierten Güter verteuerten sich innert Jahresfrist um hohe 7,4 %. Ohne die Pharmasparte betrug die Erhöhung jedoch „nur“ 2,3 % (real: + 9,6 %).

Die Importe beliefen sich auf 13,8 Mrd. Fr. Saisonbereinigt nahmen die Importe nach drei schwachen Vormonaten um 2,7 % bzw. 2,4 % (real) zu. Dennoch weist die Importentwicklung weiterhin eine Stagnation auf. Die Preise der eingeführten Waren erhöhten sich um 3,7 %; ohne die Pharmazeutika betrug der Preisaufschlag 4,0 % (real: + 0,6 %).

(EZV, 20.09.2012)