Harte Zeiten für Haushalte mit Kindern

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Haushalte mit Kindern haben mehr Schwierigkeiten, eine unerwartete Ausgabe zu tätigen

Die Existenz eines Kindes oder mehrere Kinder sowie ein niedriger Bildungsstand belasten die finanzielle Situation der Privathaushalte. Gemäss der Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) des Bundesamtes für Statistik (BFS) verfügte 2010 ein Viertel der Personen, die in einem Haushalt mit Kind(ern) leben, nicht über die finanziellen Reserven, eine unerwartete Ausgabe von 2000 Franken zu tätigen.

Ungleichheiten bei der Einkommensverteilung und Risiko finanzieller Armut

2010 betrug der Median des verfügbaren jährlichen Äquivalenzeinkommens 47'567 Franken. Für die eine Hälfte der Bevölkerung liegt das verfügbare Äquivalenzeinkommen über diesem Wert, für die andere Hälfte darunter. Das verfügbare Äquivalenzeinkommen wird berechnet, indem man vom Bruttoeinkommen die Sozialversicherungsbeiträge, die Steuern, die Krankenkassenprämien für die Grundversicherung sowie die Transferzahlungen an andere Haushalte abzieht und den sich daraus ergebenden Saldo durch die Äquivalenzgrösse des Haushalts teilt.

Die Europäische Union setzt die Armutsgefährdungsschwelle bei 60 Prozent des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens an. Demnach waren im Jahr 2010 14,2 Prozent der in der Schweiz lebenden Bevölkerung, d.h. fast jede siebte Person, armutsgefährdet. Zur Veranschaulichung: Als armutsgefährdet gilt eine alleinstehende Person mit einem verfügbaren monatlichen Einkommen von weniger als 2400 Franken oder ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren mit weniger als 5000 Franken.

Wird die Armutsgefährdungsschwelle gemäss der OECD-Definition bei 50 Prozent des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens angesetzt, lag die erhebliche Armutsgefährdungsquote 2010 bei 7,6 Prozent. Der Wechsel von der 60- zur 50-Prozent-Schwelle reduziert die Anzahl armutsgefährdeter Personen um fast die Hälfte. Dies zeigt, dass sich eine grosse Anzahl Personen knapp unter der Schwelle von 60 Prozent des Medians bewegt. Diese Personen wären keiner Armutsgefährdung mehr ausgesetzt, wenn sich ihr Einkommen leicht erhöhen würde.

Zu den sozialen Gruppen, die ein erhöhtes Armutsrisiko (60%-Schwelle) aufweisen, zählen Personen in Einelternfamilien (32,8%), Personen ohne nachobligatorische Ausbildung (25,1%) und Personen, die 65-jährig oder älter sind (23%), insbesondere wenn sie alleine leben (29,4%). Allerdings greifen 18,3 Prozent der ab 65-Jährigen auf ihr Vermögen zurück, um ihre laufenden Ausgaben zu decken – im Vergleich zu 7,4 Prozent der restlichen Bevölkerung. Der Rückgriff auf das eigene Vermögen bleibt jedoch im verfügbaren Äquivalenzeinkommen unberücksichtigt.

Materielle Entbehrungen

Im Jahr 2010 waren 5,8 Prozent der Schweizer Bevölkerung von materieller Entbehrung betroffen. Am häufigsten sind materielle Entbehrungen durch mangelnde finanzielle Reserven bedingt: 21,3 Prozent der Bevölkerung verfügen nicht über die nötigen Mittel, eine unerwartete Ausgabe in der Höhe von 2000 Franken zu decken. Es folgen materielle Entbehrungen bei den Wohnbedingungen: 17,3 Prozent der Bevölkerung leben in einem lärmigen Quartier, 13,6 Prozent in einem von Kriminalität belasteten Quartier und 9,8 Prozent in einem Quartier mit Umweltbelastungen. Zudem sind 9,6 Prozent der Bevölkerung nicht in der Lage, sich eine Woche pro Jahr Ferien weg von zu Hause leisten zu können.

Armutsgefährdete Personen weisen eine viermal höhere Quote materieller Entbehrung (17,1%) auf als die restliche Bevölkerung (3,9%). Sie sind auch besonders häufig von einem Mangel an finanziellen Reserven für die Tätigung einer unerwarteten Ausgabe (44,8% der armutsgefährdeten Personen gegenüber 17,4% der nicht armutsgefährdete Personen) betroffen und können sich öfter keine Ferienwoche weg von zu Hause leisten (23,6% gegenüber 7,3%).

Subjektive Einschätzung der Lebensqualität

Im Jahr 2010 waren drei von vier Personen ab 16 Jahren (75,3%) mit ihrem Leben im Allgemeinen sehr zufrieden. Am zufriedensten zeigte sich die Bevölkerung im Hinblick auf Beziehungsaspekte wie das Zusammenleben, das Arbeitsklima oder persönliche Beziehungen. Mit diesen Bereichen waren über 80 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren sehr zufrieden. Der geringste Zufriedenheitsgrad hingegen wurde im Zusammenhang mit der finanziellen Situation und dem Alleinleben festgestellt (53,6% respektive 59,8% bezeichneten sich als sehr zufrieden).

Die Situation von Haushalten mit Kind(ern)

In Haushalten, in denen alle Mitglieder unter 65-jährig sind, steigt das Armutsrisiko der Personen mit der Anzahl Kinder (von 7,1% für Paare ohne Kind auf 21,4% für Paare mit drei oder mehr Kindern). Der Bildungsstand und die Anzahl erwerbstätiger Personen spielen für die finanzielle Situation der Paare mit Kind(ern) eine wichtige Rolle. In dieser Kategorie waren von den Personen ohne nachobligatorische Ausbildung 54,1 Prozent armutsgefährdet. Paare mit Kind(ern), bei denen nur eine Person erwerbstätig ist, sind dreimal häufiger armutsgefährdet als solche, in denen beide Personen einer bezahlten Arbeit nachgehen (25,9% gegenüber 9,3%).

Personen in Haushalten mit Kind(ern) weisen im Vergleich zu kinderlosen, unter 65-jährigen Paaren auch häufiger einen Mangel an finanziellen Reserven für eine unerwartete Ausgabe (26,0% gegenüber 15,7%) auf und können sich weniger häufig eine Ferienwoche pro Jahr weg von zu Hause leisten (12,0% gegenüber 5,0%).

(BFS, 15.12.2011)