Der Schweiz droht ein Mangel an Fachkräfte

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EVD Fachkräfteinitiative

Die Schweiz muss sich vermehrt auf ihre eigenen Fachkräfte konzentrieren, um die zukünftigen demografischen Engpässe zu bewältigen. Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann hat am 09.09.2011 gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner und der Kantone sowie Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft den neuen Grundlagenbericht „Fachkräfte für die Schweiz“ diskutiert. Dieser listet zuhanden von Bund, Kantonen und Wirtschaft über 40 Massnahmen auf, mit denen die Fachkräftesituation in der Schweiz über arbeitsmarktliche und bildungspolitische Massnahmen wirkungsvoll verbessert werden kann.

Bereits heute ist es für viele Unternehmen eine grosse Herausforderung, die nötigen Fachkräfte auf den unterschiedlichsten Stufen zu finden. Diese sind durch die gestiegene Mobilität international immer stärker umworben. Die Demografieszenarien des Bundesamts für Statistik machen zudem deutlich, dass die Zahl der Erwerbstätigen ab 2020 rückläufig sein wird. Mit einer der höchsten Erwerbstätigenquoten im europäischen Vergleich, nämlich 79% (2009), muss die Schweiz sehr gezielt vorgehen, um das inländische Arbeitspotenzial noch besser nutzen zu können.

Im Bericht werden die freien Potenziale identifiziert, die für unseren Arbeitsmarkt noch nicht ausgeschöpft sind. Ansatzpunkte sieht man insbesondere bei nichterwerbstätigen und erwerbslosen Jugendlichen, bei nichterwerbstätigen Erwachsenen ohne Berufsbildung, bei Eltern mit Erziehungsaufgaben und Wiedereinsteiger/innen sowie bei älteren Arbeitnehmenden. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen sollen potenziell Erwerbstätige vermehrt in den Arbeitsmarkt integriert und der Beschäftigungsgrad von Teilzeiterwerbstätigen erhöht werden. Erreicht werden soll dies unter anderem durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Bericht „Fachkräfte für die Schweiz“ wird andererseits die kontinuierliche Nach- und Höherqualifizierung der aktiven Erwerbstätigen angestrebt. Sie kann beispielsweise mittels Anrechnung von Bildungsleistungen, der Entwicklung von Passerellen und Umschulungslehrgängen oder Nachholbildung erreicht werden. Einen wichtigen Beitrag könnte ein eidgenössisches Weiterbildungsgesetz leisten. Ergänzend dazu soll auch die Zuwanderung mit dem erklärten Ziel der Deckung von Fachkräftelücken gesichert werden.

Bundesrat Schneider-Ammann hatte im Mai 2011 die EVD Fachkräfteinitiative lanciert und den heute veröffentlichten Grundlagenbericht „Fachkräfte für die Schweiz“ in Auftrag gegeben. Der Bericht wurde an einem Treffen mit Kantons-, Wissenschaft- und Wirtschaftsvertretern sowie den Sozialpartnern diskutiert und kommentiert, wobei noch zusätzliche Massnahmen erörtert wurden. Der Bericht in seiner gegenwärtigen Form wurde als Arbeitsgrundlage gutgeheissen. Die meisten Massnahmen können sofort umsetzt werden. Einige wenige bedürfen einer gesetzlichen Grundlage. Parallel zur Umsetzung sollen die Massnahmen nun unter Einbindung weiterer Departemente ergänzt werden.

Ohne eine ausreichende Versorgung mit Fachkräften drohen der Schweizer Wirtschaft Einbussen an Wertschöpfung und Produktivität. Das EVD hat deshalb eine Fachkräfteinitiative lanciert. Ziel ist es, die Fachkräfte-Nachfrage bis 2020 vermehrt durch Personen aus der Schweiz abzudecken, unter anderem über die Aktivierung freier Potenziale in der Schweizer Erwerbsbevölkerung und der kontinuierlichen Nach- und Höherqualifizierung der Bevölkerung.

Der Grundlagenbericht „Fachkräfte für die Schweiz“ analysiert die Situation der Fachkräfte in der Schweiz und definiert sieben Handlungsfelder in den Bereichen „Bildung“ und „Arbeitsmarkt“. Ein Runder Tisch mit den Sozialpartnern und Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft hat den Grundlagenbericht verabschiedet. Die Wirkungen der Massnahmen werden laufend überprüft, die Prozesse durch eine Steuergruppe langfristig begleitet und gefördert.

Die im Bericht definierten Massnahmen sollen die bereits hervorragende Erwerbsbeteiligung erhöhen und die Weiter- und Höherqualifizierung der Schweizer Fachkräfte sicherstellen. Dabei werden verschiedene Bevölkerungsgruppen aller Altersschichten angesprochen:

  1. Nicht-erwerbstätige und erwerbslose Jugendliche (<25) sollen für eine Erwerbstätigkeit oder eine Ausbildung gewonnen werden.
  2. Nicht-erwerbstätige Erwachsene ohne Sek II Abschluss (>25) sollen ins Erwerbsleben integriert und wenn möglich in der Berufstätigkeit nachqualifiziert werden.
  3. Nicht- und Teilzeiterwerbstätige mit mindestens Sek II Abschluss (>25) sollen fürs Erwerbsleben aktiviert und höher qualifiziert werden.
  4. Älteren Arbeitnehmenden soll eine möglichst lange Teilnahme am Erwerbsleben ermöglicht werden.
  5. Die bereits aktive Erwerbsbevölkerung soll kontinuierlich und entlang den Bedürfnissen der Wirtschaft höher qualifiziert werden.
  6. Zur Flexibilisierung des Schweizer Arbeitsmarkts soll die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften langfristig ermöglicht werden.
  7. Ein Fachkräfte-Monitoring soll bedarfsgerecht für die zentralen Nutzergruppen den Arbeits- und Bildungsmarkt flexibler und transparenter machen.

Download:

Grundlagenbericht zur EVD Fachkräfteinitiative „Fachkräfte für die Schweiz“ (pdf, 998kb)

Bild: Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann

(EVD, 09.09.2011)