Cyberangriffe öfter politisch motiviert

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Cyberangriffe auf die Verfügbarkeit von Websites und zur Schädigung von Dienstleistern nehmen zu

altDie Cyberangriffe zielen weiterhin vor allem auf die Verfügbarkeit von Websites oder deren Infektion durch Malware ab. Bei der Motivation dafür ist eine Verschiebung von reinen Vandalenakten hin zu Racheakten, Konkurrenzschädigung oder politischen Überlegungen festzustellen. Am Computerwurm Stuxnet zeigt sich zudem, dass praktisch jedes System angegriffen werden kann. Dies sind einige Schwerpunkte des zwölften Halbjahresberichts von MELANI.

Im zweiten Halbjahr 2010 wurden wie bisher vor allem Angriffe auf die Verfügbarkeit von Webseiten und auf Netzwerke registriert. Die Motivation dafür verschiebt sich jedoch deutlich. Dies zeigt die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) in ihrem Bericht auf.

Angriffe auf die Verfügbarkeit vermehrt aus finanziellen und ideologischen Interessen

Angriffe auf die Verfügbarkeit von Webseiten, so genannte Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffe, werden in der Cyberwelt für verschiedene Zwecke benutzt. Zu Beginn erfolgten die Angriffe vor allem als einfache Vandalenakte von Internetkriminellen gegen andere kriminelle Gruppierungen oder Strafverfolgungsbehörden. Inzwischen haben sich die Absichten geändert. Man beobachtet DDoS-Attacken beispielsweise als Rachewerkzeug, für die Schädigung der Konkurrenz, für Schutzgelderpressung oder politisch motivierte Angriffe. Diese Angriffsart ist nicht neu, allerdings lassen die Qualität und die teils damit verbundenen Begleitschäden auch in der Schweiz aufhorchen. Dies zeigte sich beispielsweise bei den Angriffsaktionen gegen Schweizer Unternehmen im Zusammenhang mit dem Wikileaksgründer.

Webseiteninfektionen anhaltend hoch

Webseiteninfektionen sind momentan die meistgenutzten Verbreitungsvektoren für schädliche Software. Dabei werden Websites gehackt und mit Schadsoftware infiziert, so dass diese den Computer des Website-Besuchers beim blossen Ansurfen (Drive-by) ansteckt. Vermehrt werden Vorfälle bekannt, bei denen Websites grösserer Unternehmen Opfer solcher Angriffe werden. Mehrere politische Initiativen und Aktionen von Privaten und Behörden in Form von Sensibilisierungskampagnen versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und einen besseren Schutz zu erzielen.

Stuxnet - Angriff auf Kontrollsysteme

Ein wichtiges Thema im Jahr 2010 war auch Stuxnet. Dies war der erste Computerwurm, der so genannte SCADA-Systeme (Supervisory Control And Data Acquisition) angriff, welche zur Kontrolle von industriellen Prozessen, unter anderem im Energiesektor, eingesetzt werden. Früher bereits in Fachkreisen diskutiert, fand die Problematik von Angriffen auf SCADA-Systeme erstmals weltweit Beachtung.
Am Beispiel von Stuxnet hat sich gezeigt, dass bei entsprechend hoher Motivation und ausreichenden Ressourcen praktisch jedes System früher oder später infiltriert und sabotiert werden kann. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich ähnliche Angriffe in Zukunft wiederholen werden.

Des Weiteren untersucht der aktuelle Halbjahresbericht MELANI unter anderem die zunehmende Attraktivität von Smart-Phones für Internetkriminelle, das Cloud-Computing sowie die Veränderungen im Untergrund und die damit einhergehende Anpassung der kriminellen Geschäftsmodelle.

(EFD, 19.04.2011)